Bedingungsloses Grundeinkommen

PresseLinksImpressum

PERSPEKTIVEN 12.10.07


Neue Arbeit - Neue Kultur

- - -

Eine sehr persönliche Rezension über Frithjof Bergmanns „Neue Arbeit – Neue Kultur“

Bergmann kann mit gutem Gewissen zu einem der Begründer der „Neuen Arbeit“ gezählt werden. Seit den 80er Jahren hat er viele Projekte und Aufsätze zu diesem Thema an die Öffentlichkeit gebracht. Seine Analyse der Situation der Arbeit in der heutigen Zeit ist anschaulich, provokant und trifft den Nagel auf den Kopf. Meinen Nagel!

In der Automobilstadt Flint hat er wohl seine größten Erfolge beim Umsetzen der „Neuen Arbeit“ zu verzeichnen. Die Ausdauer und den Ehrgeiz, den er beschreibt, kann man unmittelbar nachempfinden. Ob er nun mit Drogenabhängigen in Chicago oder mit kanadischen Inuit arbeitet: Es kommt in seinem Buch die ungebrochene Leidenschaft zum Ausdruck.

Die Erfolge geben ihm Recht. Doch die Misserfolge gehen nicht spurlos an ihm vorüber. Erst recht dann, wenn er mit viel Mühe kanadische Einheimische aus ihrer Lethargie herausführen will, diese arbeitslos gewordenen Sägewerkarbeiter, erstarrte Figuren, dazu bewegt, aus dem Sägemehl Bauelemente für Häuser zu produzieren – und feststellen muss, dass der Faden irgendwann abreißt. Spätestens dann erfährt der Leser, dass sein Gedanke nicht zu einer völligen Veränderung des Systems führt, sondern nur eine, wenn auch enorm kreative, Variante der „Alten“ Arbeit darstellt.

Ganz beiläufig sagt Bergmann an einer Stelle, dass die Almosen des Staates zu einer Abstumpfung der Arbeitswilligen führen. Unter Almosen versteht er die umfangreichen Leistungen der Gemeinschaft, die Arbeitslosen zuteil werden, um ihren Lebensunterhalt begleichen zu können. Er hält sich an der Resignation der Schwachen auf und bestärkt sie, eine Arbeit zu machen, die sie wirklich, wirklich wollen. Er verkennt dabei, dass auch diese Arbeit durch Rationalisierung irgendwann überflüssig wird.

Dieser kritische Ansatz täuscht nicht darüber hinweg, dass ich dieses Buch für eine wertvolle Lektüre für den Kämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen halte. Ganz im Gegenteil: Die Analyse der Arbeit trifft ins Schwarze. Die Lösungsansätze halte ich allerdings für romantisch. Die Erwerbsarbeit, egal, ob man sie wirklich, wirklich will, oder nicht, findet in der wirklich neuen Arbeit ein Ende.

Dieses Buch hat einen Aspekt völlig ausgelassen: die Freiheit. Nicht die Freiheit, zu entscheiden, was man arbeiten möchte, sondern ob. Und genau da liegt meines Erachtens der Fehler. Ich bin der Meinung, dass Menschen, die erst einmal die Freiheit erlebt haben, OB sie arbeiten wollen, oder nicht, erst dann die Erfüllung, die Berufung in ihrem Handeln erleben werden.

Wenn unsere Gesellschaft anerkennt, dass jeder das Recht auf Existenz hat, auch ohne unmittelbar für diese einen Dienst erbringen zu müssen, erst dann wird alles, was ein Mensch tut, aus seiner eigenen Verantwortung heraus geschehen.

Da hilft es auch nicht, dass ein indischer Bauer auf einmal in einer Gruppe Gleichgesinnter technisch anspruchsvolle Möbel herstellt, denn irgendwo wird es jemanden (eine Maschine) geben, der dies billiger oder schneller tut. Wir sollten uns endlich daran gewöhnen, dass wir den unglaublichen Erfolg unserer technologischen Entwicklung genießen. Dass wir die Arbeit, die wir einsparen, an ANDERER Stelle einsetzen. Und dass der „Lohn“ nicht aus der Arbeit, sondern aus der Gesellschaft kommt, die das Recht auf Existenz in vollem Umfang anerkennt.

Denn jeder ist sich heute im Klaren darüber: Es gibt unglaublich viel zu tun. Nur kann keiner es mehr bezahlen. Wir müssen das Einkommen von der Arbeit trennen! Ich halte es für ein Verdienst dieses Buches, diesen Aspekt bei mir herauskristallisiert zu haben.


< Zurück | Übersicht Perspektiven

Was kann ich tun

Newsletter

Spenden

Mitglied werden

Was ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen







Passwort vergessen?


Aktionsforum